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Anika

SAPA (Vietnam)

Wir dachten der Doi Inthanon Nationalpark bei Chiang Mai wäre der nebeligste Ort. Weit gefehlt. Sapa ist um einiges nebeliger. Die Reisterrassen halten sich momentan recht hartnäckig vor uns versteckt. Wir haben vorher gewusst, dass Anfang Dezember nicht gerade die Sapa Hochsaison ist, aber die Witterung ist wirklich unangenehm. Mehr als 10°C haben wir nicht, aber wir wollen uns nicht beklagen, denn letzte Woche soll hier stellenweise sogar eine Eisschicht gewesen sein.

Besonders feindlich ist die Temperatur in unserem ansonsten sehr schönen Zimmer im Fansipan View Hotel. Es ist wirklich sau kalt und die Luftfeuchtigkeit entspricht der in einer Wolke, einer Regenwolke. Wahrscheinlich ziehen in der Tat den ganzen Tag Wolken über Sapa hinweg. Sachen, die einmal nass sind, werden nicht mehr trocken und ab und zu probieren wir aus, ob unser Atem im Zimmer nicht doch in der Luft kondensiert. Ein bisschen erinnert das an Ostsee-Zeltplatzstimmung im Spätherbst.

Wenigstens kommen nun die Thai-Hosen nachts zum Einsatz, die wir in Bangkok gekauft hatten und die sich ja als Fehlgriff rausgestellt hatten. Nun sind wir dankbar, dass wir sie haben. Schön sehen wir nicht aus, wenn wir nachts ins Bett gehen, aber wenigstens ist uns warm.

So kalt wie uns im Hotelzimmer ist, so warm ist es beim Trekking. Sapa besteht zur Hälfte aus Hotels und zur anderen Hälfte aus Trekking Tour Anbietern. Trekking ist das, was man hier macht. Eine wirkliche Alternative gibt es nicht.

Am Ankunftstag wollten wir nicht gleich eine Tour buchen und so sind wir zwei allein ins benachbarte Cat Cat gewandert. Auf dem Hinweg (hinab zum Wasserfall) noch mit Jacke bekleidet und etwas verfroren. Auf dem Rückweg (steil bergauf und treppauf) dann kurzärmlig und schwitzend wie im Hochsommer. Cat Cat ist ein sehr kleines Dorf, welches sich fast unmittelbar an Sapa anschließt. Einen Tour Guide braucht man dafür auf keinen Fall. Der Eintritt kostet 20.000 VND pro Person.

Über “Sapa Pathfinder Travel”, eine Agentur, die irgendwie auch zum Hotel gehört, haben wir dann gestern noch eine Trekking Tour gebucht und am 2. Tag unternommen. Mit einem Vorkriegsvietkong Jeep wurden wir ins etwas 6 km entfernte Lao Chai gefahren. Die Strecke hätte man auch optional wandern können, aber wir waren doch froh uns für die Jeep Variante entschieden zu haben, denn der Nebel war so stark, dass man nichts, gar nichts, neben der Strasse sehen konnte. So fuhren wir an Rosenplantagen und herrlichster Natur vorbei – sagte man uns – aber wer weiß, vielleicht war unten auch Disney Land oder die Tower Bridge.

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Obwohl wir eine Private Tour gebucht haben, waren wir meist ein Grüppchen von 5-6 Personen. Die Einheimischen (Minorities wie die Hamong) versuchen ihre aus Hanf gefertigten Waren an den Tourist zu bringen, indem sie einem hartnäckig folgen bis man aufgibt und kauft. So kann man oft sehen, dass jeder Tourist seinen eigenen Fanclub bestehend aus bunt gekleideten Frauen hinter sich herschleppt. Uns hat man schon beim Check-in im Hotel gewarnt und so waren wir instruiert gar nicht erst mit den Damen ins Gespräch zu kommen, sondern es bei „No, thanks“ zu belassen. Das hat sehr gut geklappt. Wobei man sicherlich auch etwas kaufen kann, wenn man es braucht. Die Waren werden wirklich vor Ort handgefertigt.

Durch Lao Chai sind wir recht gemütlich hindurch gewandert, haben von unserem Tour Guide viel über die Einheimischen erfahren und auch ihre Häuser besichtigt (was recht schnell ging, bei einem großen Raum). Der Weg ins nächste Dorf (Ta Van) war auch recht gemütlich. Unterwegs sind wir in 2 Grundschulen eingekehrt und waren kurz Gast in einer Schreib – und einer Mathematikstunde. Als Lehrer ist man in den (oft) Ganztagsschulen nicht nur Lehrbeauftragte, sondern auch für das leibliche Wohl der Kleinen zuständig. Das Essen ist wirklich sehr frisch (siehe Bild), kein Witz!

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Dann ging es nach Giang Ta Chai zu einem Wasserfall und zeitgleich als der Dorfweg endete und wir nur noch in Reisfeldern oder auf Büffelwegen durch den Bambus Jungel kletterten, zog unser Tour Guide das Tempo an, der trotz genähter Platzwunde am Kopf und einem halben Liter Blutverlust am Vortag (durch Mopedfahren unter Happy Water Einfluss) immer noch 3 mal schneller war als wir! Zum Ende der Tour kam sogar für 2 mal 30 Sekunden die Sonne raus.

Die Natur in Sapa ist wirklich unglaublich schön. Jetzt im Dezember liegen die Reisfelder leider schon brach, aber im August, wenn der Reis nach 5 Monaten erntereif ist und die Terrassen satt grün sind, muss der Anblick atemraubend sein (und es ist auch nicht so kalt).

Der Tag heute (nach der Lao Chai Trekking Tour) begann mit Schmerz. Vor allem die Waden sind arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Diesmal haben wir uns mit einem noch älteren Jeep in die Nähe des 25 km entfernten Ban Ho fahren lassen (Ban Ho liegt nur noch 500m über N.N. Und ist daher etwas wärmer ist als Sapa), sind dann bergab ins Dorf marschiert (kein leichter Weg) und haben dann kurzem Lunch noch den Lavie Wasserfall angeguckt.

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Nach 3 Trekking Tagen in Sapa sind all unsere Sachen aufgebraucht oder klamm und wir nicht unfroh den Nachtzug Richtung Halong Bay besteigen zu dürfen.

Daniel

Good Morning Vietnam

Nachdem wir Chiang Mai und damit Thailand vorerst hinter uns gelassen haben, sind wir über Bangkok (mal wieder) mit der wohl schäbigsten Boeing 747, die die Air France rumstehen hat, nach Hanoi geflogen.

Für uns beide ist es das erste Mal in Vietnam. Nach der Ankunft in Hanoi haben wir festgestellt, dass die Zeit hier etwas hinterher ist und das Land sich noch nicht wirklich auf Touristen eingestellt hat. Natürlich sind auch die Vietnamesen bereits am Flughafen sehr geschäftstüchtig, aber offizielle Informationen in englischer Sprache sind noch nicht selbstverständlich. Unsere ersten Tage haben wir dann damit verbracht, uns die Stadt Hanoi zu Fuß und auf eigene Faust genau anzuschauen und haben schnell festgestellt, dass wir schon sehr verwöhnt sind in Bezug auf die Reisemöglichkeiten und Erfahrungen aus Thailand sowie die Freundlichkeit der Thais. Vietnam sollte eine Herausforderung werden.

An unserem Ankunftstag haben wir nur noch in einem kleinen netten französischen (!) Bistro gegessen. Diesmal hatte Anika das große Glück ein Krabbeltier im Essen vorzufinden, welches bis dahin nur mir vergönnt war und ließ ihren Kokusmakrone zusammen mit den kleinen Miniameisen darin zurückgehen. Wir wollten auch gar nicht darüber länger nachdenken, wie viele von den ursprünglichen Anikas Nachtisch überlebt haben. (Jetzt können wir demnächst auch Käfer probieren ;) Danach haben wir nur noch unser komfortables Zimmer mit Lake View im Intercontinental Hanoi bezogen.

Der erste Tag in Hanoi war u.a. geprägt von der Suche nach einer „fähigen“ Reiseagentur und der Buchung unserer 3 Tage in SA PA. Hier können wir besten Gewissens die Travel Agency Asien Travel Mate (www.asientravelmate.com) empfehlen. Die junge engagierte und geduldige Dame hat natürlich auch erst mal versucht  uns das Super SAPA Package zu verkaufen, aber nachdem wir ihr dann vorgerechnet haben, dass wir unsere Wünsche auch  200 USD günstiger umsetzen können, hat sie brav unser Hotel und den entsprechenden Zug gebucht. Am Ende haben wir dafür auch das Super-Halong-Bay Promotion Package abgekauft und alle waren zufrieden. Als wir später die fragwürdigen Travel Agencys in der Altstadt gesehen haben, wussten wir, das wir der richtigen Agentur unsere Kreditkartendaten anvertraut haben. Das heisst, meine Daten, denn Anikas Kreditkarte wurde leider zwischenzeitlich gesperrt, weil sich damit anscheinend  irgendjemand einen lustigen Urlaub in den USA gemacht hat.

Nach stundenlangem Umherlaufen durch die „schöne“ Altstadt sind wir zum Thong Nhat Park (4000 VDN pro Person Eintritt)gelaufen – wobei jede Straßenüberquerung eine Herausforderung war – um uns etwas Ruhe in schöner Atmosphäre zu gönnen. Hanoi ist wirklich laut und wuselig. Leider wurde der Park, der uns ein wenig an die alten polnischen oder ostdeutschen Freizeitparks aus post sowjetischer Zeit erinnerte, gerade „renoviert“. Also kein See, sondern nur viele Bagger und keine Erholung vom Stadtlärm (statt zu blinken wird hier nämlich gehupt aber dafür bei jeder Gelegenheit). Also ging es zurück in die Innenstadt, wo wir den Tag in einer netten Bar mit Blick auf die wuseligen Vietnamesen beendet haben (s. Video).

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Der nächste Tag war ähnlich. Wir sind zum Frühstücken wieder in die Altstadt von Hanoi gefahren. Danach ging es ab mit dem Taxi zum Ho Chi Minh Mausoleum. Sehr beeindruckender Ort. Das Gelände ist der wohl gepflegtestes Ort in ganz Hanoi. Das liegt aber wohl auch daran, dass man sich immer nur zwischen weißen Markierungen bewegen darf und an jeder Ecke ein „No Entry“ Schild steht. Möchte man den einbalsamierten Ho Chi Minh sehen, muss man sich strengstens daran halten. Dafür sorgen die alle 10 Meter positionierten Soldaten mit Trillerpfeife. Lachen, reden, Sonnenbrille tragen und schlürfen ist übrigens im Mausoleum verboten und wird mir wirklich bösen Blicken geahndet. Ebenso musste ich meine gesamte Fotoausrüstung vorher in eine Tüte stopfen und gegen ein Plastikkärtchen mit einer Nummer tauschen. „Jou ged back on oter sidee!“… Na gut, eine Wahl habe ich wohl nicht, oder? Ich habe aber wirklich alles wiederbekommen und wir hatten auch Glück mit unserem Timing, denn das Mausoleum ist nur an einigen Wochentagen und auch nur bis 11:30 geöffnet. Das wussten wir allerdings nicht. So waren wir die letzte Gruppe die im Entenmarsch durch die Gruft getrieben wurde.

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Vom Mausoleum sind wir dann in den Botanischen Garten, der sich in der Nähe befindet, gewandert (Eintritt 2000 VND pro Person). Hier bot sich ein unterhaltsames Bild. Der Park wird wohl an Sonntagen von Hochzeitspaaren frequentiert, um hier ein paar romantische (oder für uns doch recht kitschige) Fotos zu schiessen. Wir beobachteten über 30 Paare, die begleitet vom Fototeam und Visagisten durch den Park posierten, um vielleicht doch noch ein Foto zu machen, bei dem kein zweites Brautpaar im Hintergrund zu sehen ist.

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Der letzte Tag in Hanoi war dann nicht wirklich schön. Und hier ein paar wichtige Hinweise für alle Reisenden: Nach unserem obligatorischen Frühstück in der Altstadt hat so eine organisierte Bande von Straßenverkäuferinnen Anika erst mal versucht mit einem Foto zu ködern (man bekommt einfach den Trageapparat auf die Schultern gelegt und den Spitzhut aufgesetzt) und dann für 20 Euro 4 Bananen zu verkaufen. Wobei die Dame sich das Geld aus Anikas Portemonnaie selbst „nahm“ (ganz zielsicher den größten Schein!), als sie bezahlen wollte. Erst als wir sehr laut mit der Tourist Police drohten, die Flucht verhinderten, nicht locker ließen, sich dann auch schon eine Menschentraube um uns bildete, gab die Frau keifend das Geld zurück. Also darauf achten! Straßenverkäuferinnen, die im Rudel auftauchen und die nur sehr mickerige Ware umhertragen, sind mit Vorsicht zu genießen. Wir machen nun einen Bogen um die Damen, die vorzugsweise vor Touristeninformationen auf Jagd gehen und passen noch mehr auf. Dies konnten wir dann später auch noch von einem Café aus beobachten. Leckers Obst lieber direkt auf dem Markt in der Altstadt kaufen und aufpassen, aufpassen, aufpassen. Spannend bleibt die Frage, ob Anika dieses Erlebnis noch länger „im Kopf bleiben wird“, denn wir haben schon oft beobachtet wie die Frauen sich untereinander lausen. So ein Hut von Straßenverkäuferinnen wollte eigentlich keiner von uns auf dem Kopf haben.

Am Nachmittag konnten wir dann auf einer Straße beobachten, wie ein paar Taschendiebe unterwegs waren. Mehrere Gauner gehören zusammen und verfolgen mit Vorliebe weiße Rucksackträger, ziehen denen vorsichtig den Reissverschluss auf. Wir waren dann auch nicht böse, dass wir HANOI an diesem Abend in Richtung SAPA verlassen haben. Leider haben wir auch am Bahnhof eine schlechte Erfahrung machen müssen. Man sollte darauf achten, dass wenn man seinen Voucher gegen das richtige Ticket tauscht (mit den reservierten Reisedaten). Eine beliebte Masche scheint zu sein, ein Ticket für einen schlechteren Zug oder Abteil herauszugeben. So hatten wir plötzlich ein Ticket für einen späteren Zug mit der Begründung „Train has delay, we change train…“ Wie? Nix da… nachdem der Ticketmann nach intensiver verbaler Bearbeitung (ich war kurz davor einen Schritt weiter zu gehen) anscheinend doch gemerkt hat, das er einen „Fehler“ gemacht hatte, saßen wir schlussendlich doch noch im geplanten Zug. Zwar hatten wir schlechtere Plätze als reserviert und bezahlt bekommen, aber wenigstens würden wir pünktlich in SAPA ankommen.

Daniel

Fotos aus Chiang Mai

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