11.12.2009
Per Moped durch Cat Ba Island
Auch auf Cat Ba Island herrschte im Dezember Nebensaison. Es war sehr ruhig. Selbst die Mopedfahrer haben fast nicht gehupt! (Wir waren irritiert). Die Strandmeile in Cat Ba Town, wo in den Sommermonaten Massen von Mopeds und Menschen die 4-spurigen Strasse verstopfen sollen und nichts mehr geht, war so gut wie leer. Nur ab und zu fuhr ein einsames Moped hin oder her.
Unser Resort das Cat Ba Island Resort and Spa war sogar noch ausgestorbener. Am zweiten Tag waren wir neben einem anderen Pärchen die einzigen Hotelgäste (in dem nicht kleinen Resort). Das war fast schon unheimlich.
Da wir in den vergangenen Tagen viel gereist waren und das nicht immer stressfrei, haben wir die 2,5 Tage auf Cat Ba recht ruhig verbracht. Zum Sonnen hat es nicht ganz gereicht, aber es war zumindest warm. Am zweiten Tag wollte wir uns gerne die Insel ansehen – ohne eine überteuerte Tour zu buchen, bei der man wieder im Holperbus hin und her gekarrt wird.
Aber es gibt eine gute Alternative für alle, die auf eigene Faust, die Insel erkunden wollen. Jeder Cat Baraner, der nicht in einem Restaurant arbeitet, versucht für wenige Dollars sein eigenes Moped zu vermieten. So eins haben wir uns dann genommen und sind über die Insel getuckert. Der kleine vietnamesische XXS Helm hat zwar etwas gedrückt am Kopf, aber das kleine Moped hat uns beide tapfer und zuverlässig transportiert. Daniel hat auch ganz hemmungslos die Hupe benutzt und selbst nicht davor gescheut, die einheimische Polizei anzuhupen.
Was wäre der Vietnamese ohne sein Moped. Unglaublich, was alles auf einem Moped transportiert werden kann: 2 Europäer ODER 1 Papa und 3 Schulmädchen mit Ranzen ODER 2 Asiaten und dazwischen vier 2m hohe Glasscheiben ODER 3 Asiatenmänner ODER 1 Asiate und 6 Lasterreifen …WOW
Mit unserem Moped sind wir dann zum Nationalpark gefahren (Eintritt nur 15.000 VDN), haben dort geparkt und sind ahnungslos Richtung Bergspitze gewandert (darauf wollten wir eigentlich gar nicht unbedingt). Dann wurde es unangenehm, die ersten steilen Stufen, mehr Stufen und noch mehr Stufen. Es stellte sich heraus, dass die Stufen der harmlose Teil des Aufstiegs waren. Es folgten nur noch waaahnsinnig steile Felsen, über die man klettern musste, höher und höher. Oft ging es ohne die Zuhilfenahme der Hände nicht. Die Felsspalten, in die man griff, waren von der Sorte Indianer Jones, in die man eigentlich nicht gerne greifen möchte, weil man darin was haariges vermutet. Mit Trekking hatte dies jedenfalls nichts mehr zu tun, das war reines Rock Climbing und wir schnauften und ja, wir jammerten auch.
Dann wurde es nach etwas 45min noch schlimmer. Rostige Leitern, kein Weg mehr, nur noch Felsen. Geschafft, oben. Das Plateau war erreicht. Ein toller Ausblick auf den gesamten Nationalpark, grüne Baumdächer,soweit das Auge reichte, wunderschön. Und diese Stille …. wenigstens für 15 Sekunden. Dann kamen sie. Einer, fünf, zehn … vierzehn pubertierende Vietnamesen. Sie schrien, sie lachten, sie kreisten uns ein. Keine Chance die Stille zu genießen. Wir konnten die Invasion nur aussitzen und hoffen, dass sie wieder gingen. Aber wenn sich 14 Vietnamesen Paarweise und in kleinen Gruppen gegenseitig fotografieren, kann das schon eine Weile dauern.

Irgendwann waren sie dann weg. Jetzt endlich konnten wir die Stille zusammen mit dem Ausblick genießen und ein paar Fotos als Erinnerung schießen. Oder auch nicht … Akku leer.
Nach dem Abstieg sind wir einfach noch weiter rumgefahren.
Die Rückreise nach Hanoi lief reibungslos. Für nur 160.000 VDN sind wir mit Hoang Long zunächst wieder per Bus zum Hafen im NW der Insel gebracht worden, da wartete schon ein Speedboat auf uns, legte sofort ab, fuhr nach Vinh Vu (bei Hai Phong) und von dort brachte uns ein Shuttlebus zum Bus Terminal, wo wir in den recht komfortablen Reisebus nach Hanoi stiegen. Das alles klappte ohne Probleme. Wir waren überrascht. Nur einmal sagte Daniel: „Oh, die Strasse ist wohl gesperrt.“ Ach quatsch, frischer, spitzer Riesenschotter konnte doch unseren Reisebus nicht aufhalten! Augen zu und drüber.
Hanoi empfing uns laut, hektisch, stinkend, grau, nerven-tötend. Wir waren nicht überrascht.
